Aus den Kirchenbüchern

Aus der Kirchengeschichte in Kremmen


Ein Gemäuer in Kremmen, in dem seit der Herrschaft der Askanier von allen Ereignissen der Jahrhunderte ein wenig verborgen steckt, ist das Gemäuer der Nikolaikirche. Sie entstand einst aus Feldsteinen in der Größe des heutigen Chores.

 

Denkmal 

 

Brandkatastrophen und Unwetter zerstörten im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder ganze Straßenzüge der Stadt und machten auch vor dem Kremmener Gotteshaus nicht Halt. 1680 brannte die Kirche gleich zweimal: Im ausklingenden Winter traf ein Blitz den Turm. Bis auf die Grundmauern brannte das Gebäude nieder bei der Feuersbrunst, die im September auch weite Teile der Stadt erfasste. Der Wiederaufbau der Kirche nach diesem verheerenden Brand wurde durch den Verkauf von 200 Eichen aus dem Stadtforst finanziert.

 

Aus dieser Zeit des Wiederaufbaus stammen der Altar und die Kanzel: Der barocke Altar war 1686 ein Geschenk des Churfürstlichen Brandenburgischen General-Wachtmeisters Marco von Lüttken, Herr auf Cremmen, Vehlefanz, Groß- und Klein-Ziethen. Die barocke Kanzel stiftete Christoph Pflug, ein wohlbestallter Münzmeister. Ratsherr Andreas Busse schließlich stiftete die von drei Engeln getragene holzgeschnitzte Taufe.

 

Kirche

 

Ursprünglich hatte die Kirche im Chorbereich zwei Emporen. Der noch erhaltene Apostelchor ist eine Stiftung von Johann Grüwel aus dem Jahre 1693. Er war zu jener Zeit Richter und Bürgermeister der Stadt Kremmen. Aus seiner Feder stammt die Chronik „Cremmische Schaubühne".

 

Ein Sturm brach 1738 den Turm der Kirche und warf ihn auf das Dach - auch diesen Schaden behoben die Kremmener rasch und errichteten einen neuen Turm; der allerdings brannte 1917 nach einem Blitzschlag nieder. Den Kirchturm, der Kremmens Stadtbild auch zum heutigen Tage noch beherrscht, errichtete die Baufirma Sittel im Jahre 1928.

 

Für Kriegszwecke wurden 1917 die Bronzeglocken der Nikolaikirche entfernt und mussten abgegeben werden. Erst seit 1928 läuten wieder Glocken zum Gebet: Drei Stahlglocken wurden in den wiedererrichteten Turm eingebaut.

 

Gustav Schweitzer, von 1847 bis 1850 Pfarrer in Kremmen, gab sich nicht nur mit Beten und Predigen zufrieden: Als ehemaliger Burschenschaftler war er Anhänger der Revolution von 1848 und trat für die Trennung von Kirche und Staat ein.

 

Sonntags führte er in der Kirche eine Art Zeitungsschau durch und betrieb so politische Bildung und Aufklärung. Nachdem er sich für Steuerfreiheit und die Beschränkung des Jagdrechtes eingesetzt hatte, wurde er jedoch seines Amtes enthoben.

 

1865 entstand an der Südwand des Chores eine neugotische Vorhalle, die lange Zeit als Haupteingang genutzt wurde. Das hierin liegende Grab ist mit großer Wahrscheinlichkeit letzte Ruhestätte des Pfarrers Wilhelm Struensee, der 1864 beigesetzt worden ist und in Kremmen sehr beliebt war. Die Sakristei an der Nordseite des Chores stammt aus dem 15. Jahrhundert und war das Grabgewölbe derer von Bredow.

 

Schwere Schäden erlitt sowohl der Turm als auch das nördliche Seitenschiff in den letzten Kriegstagen 1945. Diesmal bereitete der Wiederaufbau allerdings Schwierigkeiten - es gab kaum noch Maurer. Wilhelm Zehlicke ist es zu verdanken, dass das Gewölbe des Seitenschiffes wieder errichtet werden konnte.

 

Kirche innen 

 

Aus den Kremmener Kirchenbüchern
Anno 1645 25. September haben Pfarrer und drei Kirchenvorsteher einen Vergleich getroffen mit dem Uhrmacher von Berlin, Meister Jürgen Born, der das Uhrwerk allhier, welches alt und ausgelaufen, soll wieder in rectifizen, welches er auch gethan, dafür ist ihm von der Kirchen einkommen gegeben 7 ½ Thaler dazu an Fuhrlohn und Unkosten so viel, dass er austrägt 10 Thlr.21 arg. Insgesamt. Ist also zur Nachricht hier gesetzet worden.

 

Eine neue königliche Declaration von Fr. W. zu Berlin, den 9. Januar 1732:
Wir haben nötig erachtet, die ergangene Order wegen des Heiligen Abendmahls dahin zu declarieren, dass diejenigen, welche mit schweren Gebrechen oder Jammer behaftet sind, ungleich diejenigen so mit Krücken gehen, wie auch die Blinden und diejenigen, die mit erbhaftem Schaden, Ausschlag behaftet zwar nicht mehr mit der ganzen Gemeinde vor den Altar zur Heiligen Communion mitgehen, sondern davon dispensiret und erlaubt sein sollte, das Heilige Abendmahl in der Sacristei, in der Woche von Predigern gehalten werden zu nehmen. Jedoch sollten die Priester solches bekannt machen, wenn das Abendmahl für solche miserablen Personen gehalten werden soll, damit sich davon etliche auch einmal dazu einfinden und als doch etliche Personen miteinander gehen können.


Daten zusammengetragen von G. Henniger, Kremmen
Verfasst von P. Born, 1997