Seltsam heimlich ist´s an diesem Orte ...

„Klar ruh´n die Lüfte auf der weiten Flur; fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert". Gedanken an einem „Sommerabend" in Kremmen von Richard Dehmel. Die Landschaft der Stadt am Luch, in der seines Vaters Haus stand und auch heute noch steht, war immer wieder Thema in Dehmels Lyrik. „Es steht eine goldnes Garbenfeld", „und schwer durchs Dunkel schnitt der Kahn", „es fegt der Sturm die Felder rein" - wer Kremmen besucht, erlebt auch diese Eindrücke.

Und die Kremmener sind stolz auf ihren Dichter, der - bei seinen Zeitgenossen bekanntlich nicht unumstritten - einen neuen, bislang unbekannten Stil der Modernität vertrat: Verherrlichung von Lebenslust und Eros neben drückend-schwülen Landschaftsbeschreibungen, Sprachspiele mit Wiederholungen und Variationen und auch unterschiedlich stark ausgeprägte Jugendstilelemente dominieren Dehmels Lyrik.

 

Das alte Forsthaus in Kremmen

 

Um die Jahrhundertwende unternahm Richard Dehmel Reisen, unter anderem nach Heidelberg und Darmstadt, wo er Beziehungen zur Darmstädter Künstlerkolonie vertiefte. Peter Behrens, der Mitbegründer dieser weltberühmten Künstlerkolonie, war sein Freund - der Maler und Grafiker gestaltete den Umschlag von Dehmels Gedichtausgabe von 1901 und übernahm die typographische Gestaltung der Dehmelschen Ausgabe „Zwei Menschen" im Jahre 1903. Die Freundschaft zu Behrens war dem Lyriker aus der Mark Brandenburg wichtig - ihm eiferte er nach und identifizierte sich ausdrücklich mit Schriften wie „Feste des Lebens und der Kunst" von Behrens. Neue Darstellungsformen und Lebensauffassungen brachte Dehmel mit in seine märkische Heimat - und verwob sie hier mit Erlebnissen aus der kleinen Ackerbürgschaft Kremmen nordwestlich von Berlin. Auch Peter Behrens brachte modernes aus Darmstadt mit in den Norden, als er nach 1907 in Berlin tätig war; Industriebauten im nahe gelegenen Hennigsdorf beispielsweise tragen die Handschrift Peter Behrens´.

 

Sogar ein Weg im Ortsteil Kremmen wurde nach dem Dichter benannt. Seit etwa 1937 existiert der Dehmelweg, der zuvor "Weg Michaelis" (benannt nach dem Vorbesitzer des Sägewerkes Schrank) und noch früher "An der Ruppiner Chaussee" hieß.

 

Richard Dehmel wurde 1863 in der Mark Brandenburg geboren. Sein Vater war Stadtförster in Kremmen. In der Nähe des alten Forsthauses - dem Elternhaus der kinderreichen Familie Dehmel - erinnert heute eine Brücke über einen der vielen Kanäle, die sich durch das Luch winden, an Richard Dehmel: „Hinterm Elternhaus am kleinen Weiher, dicht umdunkelt rings von Weidenruten, breitet eine Pappel ihre schwanken Zweige nickend über Schilf und Fluten".

 

Richard Dehmel in Kremmen

 

Dehmel's Brief

 

Leben und Werk