Altstadtrundgang

Zur Geschichte der Ackerbürgerstadt

Der Ortsname entstammt dem Slawischen und bedeutet „Kieselstein". Die Stadt liegt am Südrand des oberen Rhinluches, einer Landschaft mit Sumpfgebieten, Wasserläufen, Seen und weiten Wiesen. Im 12. Jahrhundert eroberten die Askanier, ein sächsisches Fürstengeschlecht, das märkische Land unter Heinrich dem Löwen. Als Albrecht der Bär das Havelland und den Glin in Besitz nahm, baute er Burgen mit Wall und Graben, um das Land vor den slawischen Wenden zu schützen. 300 Jahre war die Burg von Kremmen im Besitz der Herren von Bredow. Im Schutz der Burg siedelten sich Landwirte, Handwerker und Händler an. Zeugen dieser Zeit sind: Schlossdamm, Burgweg, Grabenstraße und Alter Wall. Bereits 1298 erhielt Kremmen die Stadtrecht. 

 

Beginnen Sie den Rundgang im Scheunenviertel:

Die Museumsscheune, im historischen Scheunenviertel, ist der Ausgangspunkt für den Spaziergang. Sie wurde von 1998-1999 saniert, ausgebaut und ist Anlaufstelle für Informationen und kulturelle Veranstaltungen. Ein kleines Agrar- und Landwirtschaftsmuseum zeigt die Geschichte der Ackerbürgerstadt.

Wegen verheerender Brände in den vergangenen Jahrhunderten gab es schon 1672 einen kurfürstlichen Erlass, der den Wiederaufbau der Scheunen außerhalb des Stadtkerns vorschrieb. Die jetzt noch rund 50 verbliebenen Scheunen sind
gut 120 Jahre alt. Sie dokumentieren die vorherrschende Rolle der Landwirtschaft in Kremmen. Hinsichtlich Größe und Erscheinungsform ist das Scheunenviertel einzigartig in ganz Deutschland. Nach 1990 haben sich sieben Künstler angesiedelt.

 

Scheunenviertel 

 

Wir gehen von der Museumsscheune aus nach rechts Richtung Märtenpfuhl. Bis 1687 war er Richtstätte für Kindesmörderinnen. An der Scheune (Nr. 1) biegen wir rechts ab und kommen auf den sanierten Kurzen Damm in das Stadtzentrum. Wir gehen geradeaus weiter auf der schon erwähnten Grabenstraße. An
der linken Seite sehen wir die für die frühere Ackerbürgerstadt typischen Stallgebäude. Der Stadtgraben der hier verlief, wurde später verfüllt, damit die Bauern Zufahrt zu ihren Gehöften hatten. Grabenstraße 10 wurde 1997 umfassend mit Fördermitteln saniert.

 

Altstadt

 

Wir gehen einige Schritte zurück und biegen rechts in die Raniesstraße ein. Hier befand sich das Kremmener Kino. An der Ecke Dammstraße ist der Stand der Sanierung der Straßen besonders deutlich sichtbar. Der linke Abschnitt ist erneuert, der rechte im Zustand von 1990. Die Häuser 14 und 16 sind die ältesten Wohnhäuser Kremmens. Sie wurden 1680 erbaut und überstanden den letzten großen Brand im Jahr 1840, bei dem die ganze Stadt abbrannte. Das heißt, das fast alle anderen Häuser der Altstadt 160 Jahre alt sind.

 

Wir kommen an den Kirchplatz und erblicken den ältesten Teil der St. Nikolaikirche, den aus Feldsteinen erbauten Chorraum. Er stammt aus der Zeit um 1200. Später wurden die drei Kirchenschiffe angebaut. 1917 brannte der hölzerne Turm durch Blitzschlag ab. Der jetzige Turm entstand 1928. Sehenswert ist vor allem der barocke Altar von 1693 und der Taufstein. Die
Orgel wurde 1961 von der Fa. Schuke gebaut. (Der Kirchenschlüssel ist im Pfarrhaus, Kirchplatz 1, erhältlich).

 

Altstadt 

 

Das zweistöckige Gebäude am Kirchplatz war seit 1845 die Schule Kremmens, 1975 wurde es wegen Baufälligkeit geschlossen. Zurzeit entstehen hier zwölf neue Wohnungen. Von der Kirchstraße kommen wir in die Ruppiner Straße, die „Hauptgeschäftsstraße" Kremmens. Wir überqueren sie und gehen durch die Schwedengasse, vorbei an der Alten Kietz Straße bis zur Neuen Kietz Straße, beide bereits saniert. Beispielhafte kleinstädtische Architektur: Die kleinen Häuser mit Mansarden. 

 

Altstadt 

 

Geradeaus schauen wir schon über die Luchwiesen. Wir biegen nach links an den alten Fachwerkstallungen vorbei bis zur Ecke Mühlenstraße. Würden Sie hier rechts abbiegen, kämen Sie nach einer viertel Stunde zum Kremmener See und zum Naturlehrpfad. Das seit den 30iger Jahren geschützte Gebiet ist reich an seltener Flora und Fauna, im Frühjahr und Herbst ein Rastplatz für Kraniche. Auf der Terrasse der Seegaststätte, die auf 64 Pfählen erbaut wurde, können Sie die reizvolle Landschaft pur genießen. 

 

Altstadt

 

Für den Stadtrundgang jedoch halten wir uns links. Die Mühlenstraße wurde wegen der sieben Windmühlen, die einmal in Kremmen existierten, so genannt. Wir kommen an den Marktplatz und haben rechts das 1991 sanierte Rathaus: Es wurde 1840 nach dem großen Stadtbrand im neoklassizistischen Stil erbaut. An dieser Stelle stand zuvor ein Gutshaus, das die Kremmener seit 1812 als Rathaus nutzten; in der Zeit davor war die Stadt ohne Rathaus. Die neue Residenz der Stadtväter war bis 1952 Sitz des Amtsgerichts und der Stadtpolizei. Im Seitenflügel in der Mühlenstraße befand sich das Gefängnis. Heute ist das Rathaus Sitz der Verwaltung der Stadt Kremmen, zu der mit allen sieben Ortsteilen 7.400 Einwohner zählen. 

 

Altstadt

 

Der Marktplatz hat die Form eines lang gezogenen Dreiecks; dies deutet auf die slawische Geschichte hin. Die zweigeschossigen Traufhäuser wurden nach 1840 erbaut. Eine Besonderheit vieler Häuser, deren Fenster und Dachseitenfront zur Straße gerichtet sind, ist, dass sie neben der Haustür noch über ein breites, hohes Tor verfügen: genügend Platz für Pferdefuhrwerke! Es waren die Häuser der Ackerbürger - Bauern in der Stadt! Vorn an der Straße die Wohnungen, dahinter Hof und Stallungen. Noch in den fünfziger Jahren wurden täglich aus jedem Tor einige Kühe zur Weide getrieben. An der linken Seite des Marktplatzes, Am Markt 5, befand sich bis zur Reichspogromnacht 1938 das Textilgeschäft Borchardt, der einzigen jüdischen Familie Kremmens, zwei Kinder emigrierten, die übrige Familie wurde umgebracht. Die Adler Apotheke ist die zweitälteste im ehemaligen Osthavelland. Sie erhielt schon im 18. Jahrhundert unter Friedrich II. ihre Lizenz. Das gegenüber liegende dreigeschossige Gebäude war bis 1990 das beste Gasthaus am Platz. Die Kremmener nennen es Klubhaus - zurzeit wird es leider nicht genutzt; die Stadt such dringend einen Investor.